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Robert (38) hatte bei Carolin (36) gleich das Gefühl, etwas Besonderes gefunden zu haben. Nach ihrem Kennenlernen im Netz liessen die beiden es langsam angehen. Dennoch stand für den Landschaftsarchitekten bald fest: "Mit ihr konnte ich mir eine gemeinsame Zukunft vorstellen." Doch Carolin blockte beim Thema gemeinsame Pläne immer ziemlich schnell ab. Sie brauche noch Zeit, sei noch nicht so weit, das alles ginge ihr zu schnell. Robert reagierte verständnisvoll, musste nach einiger Zeit jedoch einsehen, dass Carolins Angst, sich auf eine feste Beziehung einzulassen, zu übermächtig war. Dabei hatte sie immer betont, wie sehr sie sich nach mehreren Jahren des Alleinseins nach Zweisamkeit sehne. Lebe lieber ungebundenFür einige Menschen ist der Wechsel auf eine verbindlichere Ebene gleichbedeutend mit dem automatischen Verlust der Eigenständigkeit. Der Schritt vom "Ich" zum "Wir" wird als bedrohlich empfunden und somit so lange wie möglich vermieden. Hätte Robert Carolins Probleme früher erkennen können? Ihre letzte Beziehung lag einige Jahre zurück, sie hatte keinerlei "Altlasten", keine übertriebene Anhänglichkeit an ihren Ex im Gepäck, die sie daran gehindert hätte, sich auf einen neuen Mann einzulassen. Zudem hatte sie ihm nie etwas vorgemacht, war immer ehrlich gewesen - so weit stimmte alles. Die Zeichen für Bindungsängste sind oft weniger offensichtlich. "Ideal lassen sie sich übrigens in Fernbeziehungen kaschieren", weiss PARSHIP-Psychologin Nicole Schiller. So kann man den anderen prima auf Abstand halten. Auch wenn das natürlich nicht bedeutet, dass bei Fernbeziehungen automatisch Bindungsangst vorliegt. Alarmsignale: Wenn schon in den Mails klar wird, dass Ihr Gegenüber an echter Nähe gar nicht interessiert scheint und wenn beim Date nur gescheiterte Beziehungen offenbart werden. Kniffelig bleibt es allemal, schliesslich planen Sie nicht gleich in den ersten Mails das gemeinsame Leben. Im Netz ist es besonders einfach, dem anderen über einen längeren Zeitraum nur die Schokoladenseite zu zeigen. Wenn Ihr Online-Flirt Sie jedoch nach einiger Zeit noch immer nicht persönlich kennen lernen möchte, obwohl Sie diesen Wunsch klar signalisiert haben, sollten Sie keinen Ehrgeiz entwickeln, ihn umzustimmen. DrahtseilakteDas Schwierige am Kennenlernen ist, ein Tempo zu finden, das für beide passt. Nicht jeder, der sich bei der Annäherung Zeit lässt, hat auch gleich Bindungsangst. Ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Nähe und Distanz muss sich allmählich entwickeln. Nur so kann sich Vertrauen und Intimität aufbauen. Doch ewig auf einer unverbindlichen Ebene dahinzuplätschern, tut keiner Beziehung gut, obwohl einige Menschen gerade das prickelnde Gefühl, jemanden immer wieder neu erobern zu müssen, durchaus mögen. Viele Partnersuchende haben auch schlichtweg Angst vor einer Enttäuschung. Sie suchen nach einem Idealbild des anderen, überfrachten das Zusammensein mit Hoffnungen und Wünschen und sind nicht bereit, Kompromisse einzugehen. Und was, wenn es schon gefunkt hat? Langsames Ertasten hilft, die Ängste und Vorbehalte des anderen zu erfahren und Vertrauen aufzubauen. Drängen Sie den anderen nicht und erliegen Sie auch nach dem ersten Kennenlernen nicht der Versuchung, ihn um jeden Preis erobern zu wollen. Erkundigen Sie sich nach seinen/ihren bisherigen Erfahrungen, aber lassen Sie sich nicht dazu hinreissen, ihn oder sie ändern zu wollen. Zumindest längerfristig sollte es Bestrebungen geben, ein gemeinsames Leben aufzubauen. Unsicherheit, ob der andere sich einlassen mag oder nicht, tut auf Dauer keiner Partnerschaft gut. Allerdings, so Psychologen, sind die Bindungsängste des anderen oft auch Spiegel der eigenen Bedenken. Überlegen Sie mal, was Sie eigentlich wollen. Was wäre, wenn er oder sie plötzlich auf Sie zukäme? Ginge Ihnen vor Glück das Herz auf, oder bekämen Sie Schweissausbrüche? Lass! Mich! Los!Susann (32) war beeindruckt von Sven (33). Der Web-Designer strahlte so eine Eigenständigkeit und Unabhängigkeit aus. Ein richtiger Macher, in seine Anzeige im Netz hatte er ein Foto von sich beim Freeclimbing gesetzt. Und die Apothekerin suchte doch genau das: eine starke Schulter. "Aber er hielt mich immer auf Distanz, meinte, er fühle sich so schnell eingeengt." Deshalb liess sie ihm viel Freiraum. Gemeinsamer Urlaub? Fehlanzeige, Sven fuhr lieber mit seinen Kumpels zum Snowboarden. Das alles hätte Susann gar nicht so viel ausgemacht, bis sie zufällig mitbekam, dass er eine ganze Riege von Online-Flirts munter weiterführte ... "Einige Menschen haben Angst davor, dass der andere im eigenen Leben einen zu grossen Platz einnehmen könnte", so PARSHIP-Psychologin Schiller. Diese Menschen verschanzen sich hinter ihrem Unabhängigkeitsstreben. Dabei ist die Grundlage einer funktionierenden Partnerschaft ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Abhängigkeit und Autonomie. Natürlich müssen Sie die Bedürfnisse des anderen respektieren - aber behalten Sie dabei immer unbedingt Ihre eigenen im Blick. Nur so kann aus einem Online-Flirt auch eine funktionierende Beziehung werden. Annette Riestenpatt/PARSHIP Ob Sie in einer Beziehung eher Nähe oder Distanz brauchen, ermittelt der PARSHIP-Test. Achtung: Wer laut Test eine nicht ganz so kuschelig-enge Beziehung anstrebt, leidet nicht automatisch unter Bindungsängsten. Optimal ist es, wenn beide Partner ein ähnliches Mass an Nähe wünschen. Weitere Beiträge zum Thema |
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